Hainsimsen-Buchenwälder

Lebensraumtyp 9110

© Land OÖ/Michael Strauch

© Land OÖ/Michael Strauch

Kurzbeschreibung

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) stellt die allein- bis vorherrschende Baumart der Hainsimsen-Buchenwälder dar. Als Nebenbaumarten können Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea), seltener Hainbuche (Carpinus betulus) sowie auf den ärmsten Böden Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris) und Gemeine Birke (Betula pendula) beigemischt sein. Die Krautschicht ist artenarm und wird von Pilzen, Moosen und säureliebenden Gefäßpflanzen und Gräsern besiedelt. Meist findet man die Wälder auf bodensauren bzw. versauerten, basenärmeren Böden (über silikatischen Sedimenten und Gesteinen) der submontanen bis montanen Höhenstufe. Der Verbreitungsschwerpunkt der Wälder befindet sich in niederschlagsreichen, subatlantisch getönten Regionen. Kulturhistorisch z.T. durch Streunutzung (Aushagerung) aus reicheren Buchenwäldern entstanden.

Biotoptypen

sub- bis tiefmontaner bodensaurer Buchenwald
bodensaurer Fichten-Tannen-Buchenwald

Kennzeichnende Pflanzenarten

Hauptbaumarten:
Rotbuche (Fagus sylvatica)

Traubeneiche (Quercus petraea)
Stieleiche (Quercus robur)

Begleitbaumarten:
Weißtanne (Abies alba)
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)
Gemeine Birke (Betula pendula)
Hainbuche (Carpinus betulus)
Esche (Fraxinus excelsior)
Fichte (Picea abies)
Wald-Kiefer (Pinus sylvestris)

Krautschicht:
Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa)
Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum)
Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides)
Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense)
Waldsauerklee (Oxalis acetosella)
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Nesselblättriger Ehrenpreis (Veronica urticifolia)

Moosschicht:
Gewöhnliches Gabelzahnmoos (Dicranum scoparium)
Gemeines Weißmoos (Leucobryum glaucum)
Schwanenhals-Sternmoos (Mnium hornum)
Schönes Widertonmoos (Polytrichum formosum)

Charakteristische Tierarten (gemäß FFH- und VS-Richtlinie)

Säugetiere:
Luchs (Lynx lynx)
Braunbär (Ursus arctos)
Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Schmetterlinge:
Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria)

Käfer:
Alpenbock (Rosalia alpina)
Hirschkäfer (Lucanus cervus)
Großer Eichenbock (Cerambyx cerdo)
Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus)
Eremit (Osmoderma eremita)

Vögel:
Raufußkauz (Aegolius funereus)
Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Grauspecht (Picus canus)
Mittelspecht (Dendrocopos medius)
Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos)
Zwergschnäpper (Ficedula parva)
Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)

Europa

Hainsimsen-Buchenwälder gehören zu den am weitesten verbreiteten Lebensraumtypen in Mittel- und Nordeuropa. Die Hauptvorkommen finden sich auf kontinentalen Gebieten mit sauren und nährstoffarmen Böden.

Österreich

Der Lebensraumtyp findet sich in allen neun Bundesländern, schwerpunktmäßig jedoch in der Böhmischen Masse und in der Flyschzone der Nordalpen. Weitere kleine Vorkommen kommen auch im nördlichen und südöstlichen Alpenvorland, in den östlichen Zentralalpen, in den Südalpen und im Klagenfurter Becken vor.

Vorkommen in Natura 2000-Gebieten

Burgenland
AT1108813 Landschaftsschutzgebiet Bernstein – Lockenhaus – Rechnitz

Niederösterreich
AT1201A00 Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft
AT1205A00 Wachau
AT1207A00 Kamp- und Kremstal
AT1208A00 Thayatal bei Hardegg
AT1211A00 Wienerwald – Thermenregion
AT1212A00 Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand – Schneeberg – Rax
AT1217A00 Strudengau – Nibelungengau
AT1219000 Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse

Wien
AT1302000 Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten
AT1303000 Landschaftsschutzgebiet Liesing (Teil A, B und C)

Kärnten
AT2130000 Lendspitz-Maiernigg
AT2131000 Mannsberg-Boden

Steiermark
AT2210000 Ennstaler Alpen/Gesäuse
AT2214000 Deutschlandsberger Klause
AT2215000 Teile der Eisenerzer Alpen
AT2216000 Kirchkogel bei Pernegg
AT2218000 Feistritzklamm/Herberstein
AT2225000 Demmerkogel-Südhänge, Wellinggraben mit Sulm-, Saggau- und Laßnitzabschnitten und Pößnitzbach
AT2229000 Teile des Steirischen Jogl- und Wechsellandes
AT2230000 Teile des südoststeirischen Hügellandes inklusive Höll und Grabenlandbäche
AT2233000 Raabklamm
AT2242000 Schwarze und Weiße Sulm

Oberösterreich
AT3108000 Tal der Kleinen Gusen
AT3110000 Ettenau
AT3111000 Nationalpark Kalkalpen, 1. Verordnungsabschnitt
AT3115000 Maltsch
AT3118000 Salzachauen
AT3120000 Waldaist und Naarn
AT3121000 Böhmerwald und Mühltäler
AT3122000 Oberes Donau- und Aschachtal
AT3125000 Rannatal

Salzburg
AT3201014 Wallersee-Wengermoor
AT3206007 Bluntautal
AT3210001 Hohe Tauern, Salzburg

Tirol
AT3309000 Tiroler Lech

Status Rote Liste Österreich

  • Sub- bis tiefmontaner bodensaurer Buchenwald: stark gefährdet (2)
  • Bodensaurer Fichten-Tannen-Buchenwald: stark gefährdet (2)

Status FFH-Richtlinie

Anhang I

Gefährdungsursachen

  • Bestandesumwandlungen (insbesondere mit Fichten)
  • fehlende horizontale Heterogenität
  • geringer Anteil an Alt- und Totholz
  • hohe Wildstände
  • Verdichtung des Bodens
  • Schadstoffbelastungen

Mögliche Schutzmaßnahmen

  • Förderung der natürlichen Baumartenzusammensetzung
  • Förderung von Mikrohabitaten, Altbäumen sowie liegendem und stehendem Totholz
  • Erhalt unterschiedlicher Entwicklungs- und Altersstadien
  • Förderung der Naturverjüngung
  • Naturnahe Gestaltung von bestehenden Waldrändern und Lichtungen

Erhaltungszustand

Bewertung des Erhaltungszustands des Lebensraumtyps „9110: Hainsimsen Buchenwald“ in den biogeographischen Regionen Österreichs für die Berichtsperiode 2007 – 2012:

Alpine Region Verbreitungsgebiet Lebensraumfläche Strukturen & typische Arten Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig günstig ungünstig-schlecht ungünstig-schlecht
Trend stabil stabil
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht
Gesamttrend stabil

 

Kontinentale Region Verbreitungsgebiet Lebensraumfläche Strukturen & typische Arten Zukunftsaussichten
Einzelbewertung ungünstig-unzureichend günstig ungünstig-schlecht ungünstig-schlecht
Trend stabil stabil stabil
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht
Gesamttrend stabil
Literatur
  • Ellmauer, T. (Hrsg.) (2005): Entwicklung von Kriterien, Indikatoren und Schwellenwerten zur Beurteilung des Erhaltungszustandes der Natura 2000-Schutzgüter. Band 3: Lebensraumtypen des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Im Auftrag der neun österreichischen Bundesländer, des Bundesministerium f. Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der Umweltbundesamt GmbH, Wien.
  • Essl, F., Egger, G., Ellmauer, T., Aigner, S. (2002): Rote Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs – Wälder, Forste, Vorwälder. Umweltbundesamt GmbH, Wien.
  • Thauront, M. & Stallegger, M. (2008): Management of Natura 2000 habitats. 9110 Luzulo-Fagetum beech forests. European Commission