Hartholzauenwälder mit Stieleiche (Quercus robur), Flatterulme (Ulmus laevis), Feldulme (Ulmus minor), Gewöhnlicher Esche (Fraxinus excelsior) oder Schmalblättriger Esche (Fraxinus angustifolia)

Lebensraumtyp 91F0

© Land OÖ/Michael Strauch

© Land OÖ/Michael Strauch

Kurzbeschreibung

Hartholzauwälder findet man an höher gelegenen Standorten der Au, welche am seltensten überschwemmt werden. Es handelt sich um Wälder mit meist üppiger Kraut- und gut ausgebildeter Strauchschicht. Merkmale sind außerdem die stickstoffreichen Lehmböden und der Reichtum an Lianen (z.B. Clematis vitalba). Eschen (Fraxinus sp.) und Eichen (Quercus sp.) dominieren in Abhängigkeit vom Wasserregime diesen Lebensraumtyp.
Hartholzauwälder zählen zu den artenreichsten Wäldern Mitteleuropas, da infolge der Boden- und Wasserverhältnisse ein breiter Lebensraum geboten wird. Besondere Bedeutung haben die Wälder als Lebensraum zahlreicher Vogelarten.
Eine natürliche Überflutungs- und Fließgewässerdynamik ist zur Entwicklung und Wiederherstellung dieser Auwälder anzustreben. Auf den wenigen Restbeständen sollten forstliche Nutzungen weitgehend unterbleiben.

Biotoptypen

Hartholzauwälder
Quirl-Eschenauwald
Eichen-Ulmen-Eschen-Auwald

Kennzeichnende Pflanzenarten

Hauptbaumarten:
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)
Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior)
Stieleiche (Quercus robur)
Flatterulme (Ulmus laevis)
Feldulme (Ulmus minor)

Begleitbaumarten:
Schwarz-Erle (Alnus glutinosa)
Spitzahorn (Acer platanoides)
Feldahorn (Acer campestre)
Hainbuche (Carpinus betulus)
Holzapfel (Malus sylvestris)
Schwarz-Pappel (Populus nigra)
Vogel-Kirsche (Prunus avium)
Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
Winterlinde (Tilia cordata)

Strauchschicht:
Gemeine Hasel (Corylus avellana)
Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
Gelber Hartriegel (Cornus mas)
Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata)
Gewöhnliche Spindelstrauch (Euonymus europaeus)
Stachelbeere (Ribes uva-crispa)
Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)
Rote Johannisbeere (Ribes rubrum)
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)

Krautschicht:
Moschuskraut (Adoxa moschatellina)
Bärlauch (Allium ursinum)
Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides)
Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)
Zittergras-Segge (Carex brizoides)
Hohler Lerchensporn (Corydalis cava)
Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa)
Riesen-Schwingel (Festuca gigantea)
Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Wald-Gelbstern (Gagea lutea)
Kletten-Labkraut (Galium aparine)
Echte Nelkenwurz (Geum urbanum)
Echt-Gundelrebe (Glechoma hederacea)
Frühlings-Knotenblume (Leucojum vernum)
Dunkles Lungenkraut (Pulmonaria obscura)
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
Wald-Ziest (Stachys sylvatica)
Knoten-Beinwell (Symphytum tuberosum)
Große Brennnessel (Urtica dioica)
Efeu-Ehrenpreis (Veronica hederifolia)

Vorkommende Wald-Arten (nach FFH-Richtlinie)

Säugetiere:
Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

Käfer:
Großer Eichenbock (Cerambyx cerdo)
Scharlachkäfer (Cucujus cinnaberinus)
Hirschkäfer (Lucanus cervus)

Schmetterlinge:
Eschen-Scheckenfalter (Euphydryas maturna)
Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria)

Vögel:
Mittelspecht (Dendrocopos medius)
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)
Schwarzmilan (Milvus migrans)
Wespenbussard (Pernis apivorus)

Europa

Hartholzauen sind überwiegend an den größeren Flüssen der Tieflagen in Mittel-, Süd- und Südosteuropa verbreitet.

Österreich

Hartholzauwälder sind in Österreich vor allem an den größeren Flüssen des nördlichen und südöstlichen Alpenvorlandes sowie der Alpentäler (z.B. Rhein, Salzach, Enns, Mur, Drau) verbreitet. Weitere Vorkommen findet man im pannonischen Flach- und Hügelland.

Vorkommen in Natura 2000-Gebieten

Burgenland
AT1102112 Zurndorfer Eichenwald und Hutweide
AT1114813 Südburgenländisches Hügel- und Terrassenland
AT1122916 Lafnitztal
AT1125129 Parndorfer Platte – Heideboden

Niederösterreich
AT1202000 March-Thaya-Auen
AT1204000 Donau-Auen östlich von Wien
AT1205A00 Wachau
AT1213000 Pannonische Sanddünen
AT1216000 Tullnerfelder Donau-Auen
AT1217A00 Strudengau – Nibelungengau
AT1218000 Machland Süd
AT1219000 Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse
AT1220000 Feuchte Ebene – Leithaauen

Wien
AT1301000 Nationalpark Donau-Auen (Wiener Teil)

Steiermark
AT2205000 Pürgschachen-Moos und ennsnahe Bereiche zwischen Selzthal und dem Gesäuseeingang
AT2210000 Ennstaler Alpen/Gesäuse
AT2213000 Steirische Grenzmur mit Gamlitzbach und Gnasbach
AT2225000 Demmerkogel-Südhänge, Wellinggraben mit Sulm-, Saggau- und Laßnitzabschnitten und Pößnitzbach
AT2238000 Gersdorfer Altarm

Oberösterreich
AT3101000 Dachstein
AT3109000 Unteres Trauntal
AT3110000 Ettenau
AT3114000 Traun-Donau-Auen
AT3118000 Salzachauen
AT3119000 Auwälder am Unteren Inn
AT3127000 Eferdinger Becken
AT3131000 Leitenbach
AT3132000 Machland Nord
AT3136000 Mittlere Steyr
AT3137000 Unteres Steyr- und Ennstal
AT3139000 Unteres Trauntal

Salzburg
AT3223000 Salzachauen, Salzburg

Vorarlberg
AT3402000 Rheindelta
AT3403000 Mehrerauer Seeufer – Mündung der Bregenzerach
AT3408000 Bangs – Matschels
AT3414000 Leiblach

Status Rote Liste Österreich

  • Silberpappelauwald: gefährdet (3)
  • Schwarzpappelauwald: von vollständiger Vernichtung bedroht (1)
  • Quirl-Eschenauwald: gefährdet (3)
  • Eichen-Ulmen-Eschen-Auwald: stark gefährdet (2)

Status FFH-Richtlinie

Anhang I

Gefährdungsursachen

  • Veränderung der Hydrologie (Regulierung der Flüsse, Abdämmung der Auwälder, Einstauen der Gewässer etc.)
  • Flächenverluste durch Umwandlung in Ackerflächen, Gewerbenutzung etc.
  • Invasion von Neopyhten
  • Bestandesumwandlung (insbesondere Aufforstung mit Pappel-Hybriden)

Mögliche Schutzmaßnahmen

  • Förderung einer naturnahen Nutzung
  • In ihrer Hydrologie veränderte Standorte sollten wieder zu den natürlichen Verhältnissen rückgeführt werden
  • Förderung der natürlichen Baumartenzusammensetzung
  • Zurückdrängen von invasiven Arten
  • Rückzug von intensiven Nutzungsformen (z.B. Ackernutzung, Gewerbe etc.) aus den unmittelbaren Überschwemmungsbereichen

Erhaltungszustand

Bewertung des Erhaltungszustands des Lebensraumtyps „91F0: Hartholzauenwälder“ in den biogeographischen Regionen Österreichs für die Berichtsperiode 2007 – 2012:

Alpine Region Verbreitungsgebiet Lebensraumfläche Strukturen & typische Arten Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-schlecht ungünstig-schlecht
Trend
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht
Gesamttrend stabil

 

Kontinentale Region Verbreitungsgebiet Lebensraumfläche Strukturen & typische Arten Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig ungünstig-schlecht ungünstig-schlecht ungünstig-schlecht
Trend
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht
Gesamttrend stabil
Literatur

Aichinger, E.; Siegrist, R. (1930): “Das ‚Alnetum incanae‘ der Auenwälder an der Drau in Kärnten.” Forstwissenschaftliches Centralblatt 52. S. 793-809.

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Dister, E.; Drescher, A. (1987): Zur Struktur, Dynamik und Ökologie lang überschwemmter Hartholzauenwälder an der unteren March (NÖ). Verh. d. Ges. f. Ökologie (Graz 1985), Band 15: 295-302, Göttingen.

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Ellmauer, T. (Hrsg.) (2005): Entwicklung von Kriterien, Indikatoren und Schwellenwerten zur Beurteilung des Erhaltungszustandes der Natura 2000-Schutzgüter. Band 3: Lebensraumtypen des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Im Auftrag der neun österreichischen Bundesländer, des Bundesministerium f. Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der Umweltbundesamt GmbH, Wien.

Essl, F., Egger, G., Ellmauer, T., Aigner, S. (2002): Rote Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs – Wälder, Forste, Vorwälder. Umweltbundesamt GmbH, Wien.

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Reif A.; Baumgärtel R.; Dister E.; Schneider E., (2016): Zur Natürlichkeit der Stieleiche (Quercus robur L.) in Flussauen Mitteleuropas – eine Fallstudie aus dem Naturschutzgebiet „Kühkopf-Knoblochsaue“ am hessischen Oberrhein. Waldökologie, Landschaftsforschung und Naturschutz. Heft 15. S. 69-92.

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