Waldmeister-Buchenwälder

Lebensraumtyp 9130

© Wolfgang Willner

© Wolfgang Willner

Kurzbeschreibung

Waldmeister-Buchenwälder finden sich auf kalkhaltigen und neutralen aber basenreichen Böden von der planaren bis montanen Stufe. Während die Strauchschicht meist spärlich entwickelt bis nahezu fehlend ist, besitzen diese Wälder artenreiche Krautschichten, welche häufig geophytenreich und aus breitblättrigen Mullbodenpflanzen mit höheren Wasseransprüchen aufgebaut sind. Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist die dominierende Baumart, Nebenbaumarten sind unter anderem Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Esche (Fraxinus excelsior) oder Weißtanne (Abies alba).
Der Schwerpunkt der Wälder befindet sich in niederschlagsreichen, subatlantisch getönten Regionen. Die geophytenreichen Waldmeister-Buchenwälder sind vor allem im Frühling besonders attraktiv.

Biotoptypen

Mullbraunerde-Buchenwald
Mesophiler Kalk-Buchenwald
Karbonatschutt-Fichten-Tannen-Buchenwald
Lehm-Fichten-Tannen-Buchenwald
Hochmontaner Buchenwald

Kennzeichnende Pflanzenarten

Hauptbaumarten:
Rotbuche (Fagus sylvatica)

Weißtanne (Abies alba)
Gemeine Fichte (Picea abies)

Begleitbaumarten:
Weißtanne (Abies alba)
Spitzahorn (Acer platanoides)
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)
Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)
Gemeine Fichte (Picea abies)
Bergulme (Ulmus glabra)

Strauchschicht:
Echter Seidelbast (Daphne mezereum)

Krautschicht:
Bärlauch (Allium ursinum)
Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)
Gewöhnliche Haselwurz (Asarum europaeum)
Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum)
Nesselblättlige Glockenblume (Campanula trachelium)
Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera)
Quirlblättrige Zahnwurz (Cardamine enneaphyllos)
Wald-Segge (Carex sylvatica)
Hohler Lerchensporn (Corydalis cava)
Echter Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)
Wald-Schwingel (Festuca altissima)
Waldmeister (Galium odoratum)
Rundblättriges Labkraut (Galium rotundifolium)
Wald-Labkraut (Galium sylvaticum)
Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris)
Leberblümchen (Hepatica nobilis)
Wald-Gerste (Hordelymus europaeus)
Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon)
Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus)
Türkenbund (Lilium martagon)
Wald-Wachtelweizen (Melampyrum sylvaticum)
Einblütiges Perlgras (Melica uniflora)
Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)
Wald-Flattergras (Milium effusum)
Waldsauerklee (Oxalis acetosella)
Weiße Pestwurz (Petasites albus)
Buchenfarn (Phegopteris connectilis)
Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum)
Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum)
Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum)
Hasenlattich (Prenanthes purpurea)
Gold-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus agg.)
Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa)
Wald-Ziest (Stachys sylvatica)
Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana)

Moosschicht:
Spitzblättriges Schönschnabelmoos (Eurhynchium striatum)
Fissidens taxifolius
Neckermoos (Neckera crispa)
Orthotrichum ssp.
Plagiochila asplenioides

Charakteristische Arten (gemäß FFH- und VS-Richtlinie)

Säugetiere:
Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Käfer:
Alpenbock (Rosalia alpina)
Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus)
Hirschkäfer (Lucanus cervus)
Eremit (Osmoderma eremita)
Rothalsiger Düsterkäfer (Phryganophilus ruficollis)
Alpenbock (Rosalia alpina)

Schmetterlinge:
Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria)

Vögel:
Haselhuhn (Bonasa bonasia)
Schwarzstorch (Ciconia nigra)
Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos)
Mittelspecht (Dendrocopos medius)
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)
Zwergschnäpper (Ficedula parva)
Wespenbussard (Pernis apivorus)
Grauspecht (Picus canus)

Europa

Waldmeister-Buchenwälder besitzen eine große Variationsbreite in allen Höhenstufen und kommen von der planaren Höhenstufe bis fast an die Waldgrenze vor. Ihr Areal erstreckt sich von Südengland und Südschweden bis zu den Südalpen, den dinarischen Gebirgen und den Rhodopen sowie von Nordspanien und den Nordwesten Frankreichs bis ins Baltikum. Waldmeister-Buchenwälder gehören an vielen Standorten zur potentiell natürlichen Vegetation.

Österreich

Der Lebensraumtyp findet sich in allen neun Bundesländern, schwerpunktmäßig jedoch in den nördlichen und südlichen Kalkalpen sowie in den östlichen Rand- und Zwischenalpen. Ein weiteres Hauptvorkommen befindet sich in der Böhmischen Masse; Nebenvorkommen auch im Nördlichen und Südöstlichen Alpenvorland.

Vorkommen in Natura 2000-Gebieten

Burgenland
AT1114813 Südburgenländisches Hügel- und Terrassenland

Niederösterreich
AT1201A00 Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft
AT1203A00 Ötscher – Dürrenstein
AT1205A00 Wachau
AT1206A00 Weinviertler Klippenzone
AT1207A00 Kamp- und Kremstal
AT1208A00 Thayatal bei Hardegg
AT1211A00 Wienerwald – Thermenregion
AT1212A00 Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand – Schneeberg – Rax
AT1217A00 Strudengau – Nibelungengau
AT1219000 Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse

Wien
AT1302000 Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten
AT1303000 Landschaftsschutzgebiet Liesing (Teil A, B und C)

Kärnten
AT2131000 Mannsberg-Boden

Steiermark
AT2204000 Steirisches Dachsteinplateau
AT2210000 Ennstaler Alpen/Gesäuse
AT2215000 Teile der Eisenerzer Alpen
AT2216000 Kirchkogel bei Pernegg
AT2217000 Peggauer Wand
AT2227000 Schluchtwald der Gulling
AT2229000 Teile des Steirischen Jogl- und Wechsellandes
AT2230000 Teile des südoststeirischen Hügellandes inklusive Höll und Grabenlandbäche
AT2233000 Raabklamm
AT2242000 Schwarze und Weiße Sulm
AT2243000 Totes Gebirge mit Altausseer See

Oberösterreich
AT3101000 Dachstein
AT3106000 Reinthaler Moos
AT3110000 Ettenau
AT3111000 Nationalpark Kalkalpen, 1. Verordnungsabschnitt
AT3115000 Maltsch
AT3116000 Kalksteinmauer und Orchideenwiese Laussa
AT3118000 Salzachauen
AT3120000 Waldaist und Naarn
AT3121000 Böhmerwald und Mühltäler
AT3122000 Oberes Donau- und Aschachtal
AT3123000 Wiesengebiete und Seen im Alpenvorland
AT3125000 Rannatal
AT3128000 Bäche in den Steyr- und Ennstaler Voralpen
AT3134000 Planwiesen
AT3136000 Mittlere Steyr
AT3137000 Unteres Steyr- und Ennstal
AT3138000 Schluchtwälder
AT3139000 Unteres Trauntal

Salzburg
AT3201014 Wallersee-Wengermoos
AT3206007 Bluntautal
AT3208118 Schwarzbergklamm
AT3210001 Hohe Tauern, Salzburg
AT3211012 Kalkhochalpen, Salzburg
AT3227000 Untersberg-Vorland

Tirol
AT3309000 Tiroler Lech

Vorarlberg
AT3401000 Naturschutzgebiet Rohrach
AT3405000 Bregenzerachschlucht
AT3410000 Gadental

Status Rote Liste Österreich

  • Mullbraunerde-Buchenwald: stark gefährdet (2)
  • Mesophiler Kalk-Buchenwald: gefährdet (3)
  • Karbonatschutt-Fichten-Tannen-Buchenwald: gefährdet (3)
  • Lehm-Fichten-Tannen-Buchenwald: gefährdet (3)
  • Hochmontaner Buchenwald: gefährdet (3)

Status FFH-Richtlinie

Anhang I

Gefährdungsursachen

  • Umwandlung der natürlichen Baumartenmischung (insbesondere Nadelbaumaufforstung)
  • Großflächig einheitliche Nutzung (z.B. Kahlschlagwirtschaft)
  • Hohe Wildstände (Verbiss- und Schälschäden)
  • Versauerung der Standorte (z.B. durch Förderung von Nadelhölzern, „saurer Regen“)
  • Schadstoffimmissionen (z.B. unmittelbare Schädigung der Vegetation durch Ozon)
  • Klimawandel (z.B. Schwächung der Waldvegetation durch Extremereignisse wie Starkniederschläge, Trockenperioden, Stürme)
  • Ausfall wesentlicher Baumarten aufgrund biologisch-ökologischer Störungen (z.B. Tannensterben durch Verbiss, Immissionen, zunehmende Trockenheit)

Mögliche Schutzmaßnahmen

  • Förderung der natürlichen Baumartenmischung
  • Förderung von Altholzbeständen
  • Förderung von (insbesondere stehendem) Totholz im Wald
  • Förderung einer naturnahen Nutzung
  • Förderung der Außernutzungstellung von repräsentativen naturnahen Waldflächen
  • Förderung der Naturverjüngung
  • Wildstandsregulierungen orientiert an der natürlichen Verjüngung

Erhaltungszustand

Bewertung des Erhaltungszustands des Lebensraumtyps „9130: Waldmeister-Buchenwald“ in den biogeographischen Regionen Österreichs für die Berichtsperiode 2007 – 2012:

Alpine Region Verbreitungsgebiet Lebensraumfläche Strukturen & typische Arten Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Trend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend
Gesamttrend stabil

 

Kontinentale Region Verbreitungsgebiet Lebensraumfläche Strukturen & typische Arten Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Trend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend
Gesamttrend stabil
Literatur
  • Ellmauer, T. (Hrsg.) (2005): Entwicklung von Kriterien, Indikatoren und Schwellenwerten zur Beurteilung des Erhaltungszustandes der Natura 2000-Schutzgüter. Band 3: Lebensraumtypen des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Im Auftrag der neun österreichischen Bundesländer, des Bundesministerium f. Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der Umweltbundesamt GmbH, Wien.
  • Essl, F., Egger, G., Ellmauer, T., Aigner, S. (2002): Rote Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs – Wälder, Forste, Vorwälder. Umweltbundesamt GmbH, Wien.